Zum Inhalt springen
Ein Westlicher Flachlandgorilla steht im Gras und stützt sich auf seine Fingerknöchel. Er hat kräftige Arme, dunkles Fell und einen silbrigen Rücken. Dahinter sind Felsen und Sträucher zu sehen.
Zurück zu Ogród Zoologiczny w Opolu

Tier

Westlicher Flachlandgorilla

Hände, pflanzliche Nahrung und ein täglich neu gebautes Bett im Leben eines Menschenaffen.

Über das Objekt

Der Westliche Flachlandgorilla gehört zur Familie der Menschenaffen und ist eine Unterart des Westlichen Gorillas. Ein erwachsenes Männchen wiegt meist etwa 140-160 Kilogramm, ein Weibchen 70-110. Aufgerichtet können sie etwa 1,8 beziehungsweise 1,4 Meter groß werden. Die Armspannweite eines großen Männchens erreicht sogar 2,4 Meter. Das dunkle Fell zeigt Grau- und Brauntöne, manchmal mit einer rötlichen Färbung am Kopf.

Die Heimat dieser Gorillas sind die feuchten Wälder Zentralafrikas, unter anderem in Gabun, Kamerun und der Republik Kongo. Sie leben auch in Sumpfgebieten. Obwohl sie die zahlenmäßig stärkste Gorillaunterart sind, bleibt ihre Zukunft ungewiss: Sie sind vom Aussterben bedroht. Abholzung verkleinert ihren Lebensraum, während Wilderei und Krankheiten wie Ebola zum Rückgang der Bestände beitragen.

Beim Anblick eines so kräftigen Tieres fällt es vielleicht schwer zu glauben, dass Pflanzen die Grundlage seiner Ernährung bilden: Früchte, Blätter, Triebe und Samen. Ameisen und Termiten ergänzen den Speiseplan. Am Boden gehen Gorillas meist auf allen vieren und stützen sich auf die Knöchel ihrer gebeugten Finger. Trotz ihres Gewichts können sie auch auf Bäume klettern, etwa um an Früchte zu gelangen. Dabei halten sie sich mit Händen und Füßen an den Ästen fest. Ihren Tag verbringen sie mit Fressen, Umherziehen und Ausruhen. Bei den Mahlzeiten lässt sich manchmal etwas Überraschendes hören: leise Laute, die an Summen oder Singen erinnern. Forschende haben sie bei wild lebenden Gorillas aufgezeichnet, besonders bei erwachsenen Männchen.

Eine typische Familiengruppe besteht aus einem Silberrücken, mehreren Weibchen und Jungtieren. Sowohl Männchen als auch Weibchen können ihre Geburtsgruppe verlassen. Nach einer Tragzeit von etwa achteinhalb Monaten kommt gewöhnlich ein Junges zur Welt. Zwischen den Geburten liegen häufig drei bis fünf Jahre. In der Natur leben Gorillas etwa 30-40 Jahre. In menschlicher Obhut werden manche sogar über fünfzig Jahre alt.

Experten

Der Westliche Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla) ist eine Unterart des Westlichen Gorillas. Er gehört zur Familie der Menschenaffen, ebenso wie Orang-Utans, Schimpansen und der Mensch. Bei Gorillas werden zwei Arten unterschieden: der Westliche und der Östliche Gorilla. Die aus Afrikas Bergwäldern bekannten Berggorillas gehören zur zweiten Art. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn ihr Lebensraum, ihre Ernährung und einige Verhaltensweisen unterscheiden sich von denen der Westlichen Flachlandgorillas. 1

Körperbau und silbriger Rücken

Gorillas zeigen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, also Unterschiede im Aussehen und in der Körpergröße von Männchen und Weibchen. Erwachsene Männchen in freier Wildbahn wiegen meist etwa 140-160 Kilogramm, Weibchen etwa 70-110 Kilogramm. Die silbrigen Haare auf dem Rücken eines Männchens entwickeln sich mit dem Heranreifen. Sie sind daher nicht einfach ein Zeichen hohen Alters, auch wenn sie an das Ergrauen menschlicher Haare erinnern können. 1

Ein großes Männchen kann aufgerichtet etwa 1,8 Meter hoch sein und eine Armspannweite von ungefähr 2,4 Metern erreichen. Lange Vordergliedmaßen, ein breiter Brustkorb und ein kräftig bemuskelter Schultergürtel verleihen ihm seine charakteristische Gestalt. Der ausgeprägte Knochenkamm auf dem Schädel eines erwachsenen Männchens bietet vergrößerte Ansatzflächen für die Muskeln, die den Unterkiefer bewegen.

Das Fell kann dunkelgrau, braun oder fast schwarz sein. Das Gesicht ist weitgehend unbehaart. Das Muster der Falten und die Form der Nase unterscheiden sich von Tier zu Tier. Forschende können diese Merkmale deshalb nutzen, um einzelne Tiere wiederzuerkennen. 2

Leben in den Wäldern Zentralafrikas

Westliche Flachlandgorillas bewohnen die Wälder Zentralafrikas, unter anderem in Gabun, Kamerun und der Republik Kongo. Sie nutzen sowohl Wälder auf trockeneren Böden als auch Feuchtgebiete. Ihr Lebensraum ist keine einheitliche grüne Wand. Er setzt sich aus unterschiedlichen Vegetationstypen, fruchttragenden Bäumen, Dickichten und offenen, feuchten Lichtungen zusammen.

Das Nahrungsangebot verändert sich im Jahresverlauf. Gorillas müssen daher geeignete Futterplätze finden und ihre Nutzung des Waldes an die Jahreszeit anpassen. Um ihr Verhalten zu verstehen, sind langjährige Beobachtungen nötig. Das Bild, das sich an einem Ort oder in einem einzelnen Monat ergibt, muss nicht die gesamte Vielfalt ihres Lebens widerspiegeln. 3

Am Boden und in den Baumkronen

Am Boden bewegen sich Gorillas überwiegend auf allen vieren. Dabei stützen sie das Gewicht des vorderen Körperbereichs auf die Rückseiten der gebeugten Finger. Diese Fortbewegungsweise heißt Knöchelgang, auf Englisch knuckle-walking.

Sie können auch geschickt klettern. Besonders häufig tun dies Jungtiere und Weibchen, die unter anderem zur Nahrungssuche auf Bäume steigen. Das hohe Gewicht erwachsener Männchen schränkt die Auswahl der Äste ein, die sie tragen können. Die Beweglichkeit eines Gorillas sollte deshalb immer im Zusammenhang mit seinem Alter, seiner Größe und den verfügbaren Stützen betrachtet werden.

Der Tag besteht aus Fressen, Ortswechseln und Ruhephasen. Für die Nacht bauen Gorillas Nester aus Pflanzenmaterial, entweder am Boden oder auf Bäumen. Ein solches Lager wird gewöhnlich nur eine Nacht lang genutzt. 4

Ernährung und Verdauung

Pflanzen bilden die Grundlage der Ernährung: Früchte, Blätter, Triebe, das Mark von Stängeln und weitere verfügbare Pflanzenteile. Der Anteil der einzelnen Bestandteile hängt vom Lebensraum und von der Jahreszeit ab. Wenn weniger Früchte vorhanden sind, gewinnen andere Nahrungsquellen an Bedeutung. Wirbellose Tiere, darunter Ameisen und Termiten, können den Speiseplan ergänzen.

Pflanzen unterscheiden sich in ihrem Nährwert und Fasergehalt. Eine saftige Frucht und ein Stängel müssen vom Verdauungssystem unterschiedlich verarbeitet werden. Mikroorganismen im hinteren Abschnitt des Verdauungstrakts helfen beim Abbau faserreicher Nahrung. Die mikrobielle Fermentation im Blinddarm und im Dickdarm ermöglicht es dem Tier, Bestandteile zu verwerten, die seine eigenen Enzyme allein nicht aufschließen könnten.

Auch Wasser- und Sumpfpflanzen sind wichtig. Einige liefern gut verfügbare Nährstoffe und Mineralien. Waldlichtungen können deshalb wertvolle Nahrungsplätze sein. 5

Gruppen und soziale Beziehungen

Eine typische Gruppe umfasst ein erwachsenes Silberrückenmännchen, mehrere Weibchen und deren Nachwuchs. Ihre Zusammensetzung kann sich jedoch verändern. Heranwachsende Tiere verlassen ihre Geburtsgruppe, und Weibchen können zwischen Gruppen wechseln. Männchen leben häufig allein, bevor sie eine eigene Gruppe bilden.

Nähe, Berührung, Spiel und Kommunikation erhalten die Beziehungen innerhalb der Gruppe. Junge Gorillas laufen, klettern und ringen miteinander. Das von einer Gruppe genutzte Gebiet kann sich mit den Gebieten anderer Gruppen überschneiden. Den Wald sollte man sich deshalb nicht als eine Ansammlung streng getrennter Territorien vorstellen, deren Grenzen ständig verteidigt werden. 4

Warum geben Gorillas beim Fressen Laute von sich?

Zu ihren interessanten Verhaltensweisen gehören leises Summen oder gesangsähnliche Laute während der Nahrungsaufnahme. In einer Untersuchung zweier wild lebender Gruppen Westlicher Flachlandgorillas in Mondika in der Republik Kongo wurden solche Laute häufiger bei erwachsenen Tieren und bei Männchen aufgezeichnet. Wie häufig sie zu hören waren, hing auch von der gefressenen Nahrung ab.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich jedes Summen mit einem menschlichen „Das schmeckt mir“ übersetzen lässt. Die Forschenden erwogen unter anderem, ob die Laute dazu beitragen könnten, die gemeinsame Nahrungsaufnahme zu koordinieren. Ihre Funktion ist noch nicht abschließend geklärt. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen der Beobachtung eines Verhaltens und der Deutung seiner Bedeutung: Wir hören einen Laut und kennen die Umstände, können die Motivation des Tieres aber nicht unmittelbar ablesen. 6

Werkzeuge und Problemlösung

Im Jahr 2005 wurde ein Bericht über zwei Beobachtungen von Werkzeuggebrauch bei wild lebenden Westlichen Flachlandgorillas auf der Lichtung Mbeli Bai in der Republik Kongo veröffentlicht.

Ein von den Forschenden Leah genanntes Weibchen benutzte einen Ast, als es ins Wasser ging. Sein Verhalten deutete darauf hin, dass es die Tiefe oder die Festigkeit des Untergrunds prüfte und sich beim Gehen abstützte. Ein anderes Weibchen, Efi, nutzte ein abgetrenntes Stück eines Stammes als Stütze beim Sammeln von Nahrung. Anschließend legte es das Holz auf sumpfigen Boden und ging darüber.

Die Bedeutung dieser Beobachtungen liegt darin, dass sie den flexiblen Einsatz von Gegenständen in der natürlichen Umgebung dokumentieren. Sie belegen nicht, dass alle Gorillas regelmäßig Stöcke benutzen. Sie zeigen jedoch, dass zumindest manche Tiere einen verfügbaren Gegenstand einsetzen können, um ein konkretes Problem zu lösen. 7

Bedrohungen und Schutz

Der Westliche Flachlandgorilla wird als vom Aussterben bedroht eingestuft. Zu den wichtigsten Gefahren gehören Jagd, die Verschlechterung und der Verlust von Lebensräumen sowie Krankheiten, darunter durch das Ebola-Virus verursachte Epidemien. Straßen und andere Veränderungen der Landschaft können Menschen den Zugang zu zuvor schwer erreichbaren Waldgebieten erleichtern.

Der Schutz erfordert den Erhalt ausreichend großer Lebensräume, die Eindämmung der Jagd, die Überwachung der Bestände und die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften. Allein das Vorhandensein ausgedehnter Wälder garantiert den Tieren keine Sicherheit, solange andere Bedrohungen nicht ebenfalls verringert werden. 3

Gorillas in menschlicher Obhut

Im Zoo sind passende soziale Beziehungen, eine abwechslungsreiche Umgebung und Möglichkeiten für natürliche Aktivitäten wichtig. Kletterstrukturen, Ruheplätze und unterschiedliche Formen der Futterpräsentation ermöglichen es den Tieren, ihre Umgebung auf vielfältige Weise zu nutzen. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, sich den Blicken der Besucher zu entziehen.

Europäische Zoos arbeiten im Rahmen des EEP-Programms zusammen und koordinieren die Betreuung der Gorillapopulation sowie Zuchtentscheidungen. Die Arbeit der Zoos sollte mit dem Schutz der Tiere und ihrer Lebensräume in Afrika verbunden sein. 1

Quellen

  1. EAZA, Best Practice Guidelines for Western Lowland Gorilla, dritte Auflage, 2024. Leitlinien zu Biologie, Haltung und Populationsmanagement. PDF-Dokument.
  2. Smithsonian’s National Zoo and Conservation Biology Institute, Western lowland gorilla. Porträt der Unterart.
  3. Western Gorilla, Western Lowland Gorilla. Verbreitung und Bedrohungen.
  4. San Diego Zoo Wildlife Alliance Library, Western Lowland Gorilla: Behavior & Ecology. Verhalten und Ökologie.
  5. San Diego Zoo Wildlife Alliance Library, Western Lowland Gorilla: Diet & Feeding. Ernährung und Verdauung.
  6. Luef E.M., Breuer T., Pika S., 2016, Food-Associated Calling in Gorillas (Gorilla g. gorilla) in the Wild, PLOS ONE, 11(2), e0144197. Wissenschaftlicher Artikel.
  7. Breuer T., Ndoundou-Hockemba M., Fishlock V., 2005, First Observation of Tool Use in Wild Gorillas, PLOS Biology, 3(11), e380. Wissenschaftlicher Artikel.
Für Kinder

Der Westliche Flachlandgorilla ist ein echter Waldriese. Ein erwachsenes Männchen kann mehr wiegen als zwei erwachsene Menschen. Seine ausgebreiteten Arme erreichen eine Spannweite von erstaunlichen zwei Metern und vierzig Zentimetern! Er hat dunkles Fell, lange Arme und Füße, mit denen er greifen kann. Sein Zuhause sind die warmen, feuchten Wälder Zentralafrikas.

Was isst so ein Riese zu Mittag? Vor allem Pflanzen: Früchte, Blätter, Triebe und Samen. Manchmal frisst er auch Ameisen und Termiten. Beim Essen gibt er gelegentlich leise Laute von sich, die an Summen oder Singen erinnern. Forschende haben sie bei wild lebenden Gorillas gehört, besonders bei erwachsenen Männchen.

Am Boden geht ein Gorilla meist auf allen vieren und stützt sich auf die Knöchel seiner gebeugten Finger. Er kann auch auf einen Baum klettern, zum Beispiel um an Früchte zu gelangen. Dabei hält er sich mit Händen und Füßen an den Ästen fest. Stell dir vor, deine Füße könnten dir beim Festhalten genauso helfen wie deine Hände! Jungen, leichteren Gorillas fällt es leichter, sich zwischen den Ästen zu bewegen.

Gorillas leben in Familiengruppen. Meist gehören ein großes Männchen mit silbrigem Fell auf dem Rücken, mehrere Weibchen und Jungtiere dazu. Ein Gorillababy reist zuerst eng an seine Mama gekuschelt und später auf ihrem Rücken. Unter ihrem Schutz lernt es die Welt um sich herum kennen.

Leider brauchen Gorillas Schutz. Die Wälder, in denen sie leben und Nahrung finden, werden abgeholzt. Auch Wilderer und Krankheiten bedrohen sie. Wenn wir ihr Zuhause im Wald schützen, helfen wir damit auch vielen anderen Tieren und Pflanzen.

Details
Standort
Anlage Nr. 11 auf dem Plan des Zoo Opole.

Auf der Karte

Westlicher Flachlandgorilla